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Wie viele Komponenten braucht eine Zwischenfruchtmischung?

Aus der Praxis - KW 35

„Viel hilft viel!“ oder „Viele Köchen verderben den Brei!“ – gibt es für Zwischenfrüchte eine Regel? Die folgende Analyse zeigt, ob eine hohe Artenanzahl oder eine gezielte Kombination geprüfter Sorten besser ist. Welchen Effekt haben die beiden Ansätze auf Anbausicherheit, Bodendeckung, Durchwurzelung, organische Masse, Nährstoffe und Bodengesundheit?

Anbausicherheit

Artenreiche Mischungen können ungünstige Bedingungen durch Diversität ausgleichen. Bei schwierigen Witterungsbedingungen und heterogenen Flächen ist die Chance höher, dass eine passende Komponente dabei ist. Beispielsweise bei Trockenheit können Flachwurzler wie Rauhafer oder Phacelia kleine Niederschlagsmengen effizient nutzen, indem sie die Feuchtigkeit in der obersten Bodenschicht sofort absorbieren. Tiefe Pfahlwurzler wie Öllein oder Ölrettich hingegeben sind im Vorteil, falls im Unterboden Feuchtigkeit vorhanden ist. Außerdem sind Leguminosen in Reinsaat i. d. R. nicht ausreichend durchsetzungsstark, aber im Gemenge aufgrund der Stickstofffixierung und der guten Bodenstrukturierung der Grobleguminosen von Vorteil.

Mischungskomponenten mit nur etwa 1% Samenteil tragen jedoch kaum zum Bestand bei. Sobald eine Mischung mehr als zehn Komponenten enthält, steigt der Anteil der Arten, die im Feldaufwuchs nicht wiederzufinden sind.

Bodendeckung

Dass bei artenreichen Mischungen tendenziell immer irgendetwas wächst, heißt nicht, dass hierdurch eine schnellere und bessere Bodendeckung erreicht wird. Bei vielen Arten in einer Mischung steigt das Risiko von Bestandslücken, da für den Standort unpassende Arten nicht auflaufen oder konkurrenzschwach sind. Das ist verschenktes Potential.

Ein dichter Bestand wird erreicht durch sichere Bestellung, passende Aussaatstärken und frohwüchsige, konkurrenzstarke Arten. Kreuzblütler wie Ölrettich und Senf sind hier klar überlegen, weil sie früh einen starken Aufwuchs mit raumgreifenden Blättern bilden. Andere Arten wie Gräser, Öllein oder Phacelia sind wegen ihrer filigranen Blattapparate weniger schnell in ihrer Bodendeckungsleistung. Der Schutz des Bodens vor der Planschwirkung des Regens oder Überhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung ist erst später gewährleistet. Der Bodenbedeckungsgrad ist auch essenziell, um Unkräuter, Ausfallgetreide oder Ausfallraps zu unterdrücken. Denn Urlaub für den Boden ist Zwischenfruchtanbau nur dann, wenn der eine Pause von den Hauptfruchtarten bekommt.

Nicht zuletzt spielen Sortenunterschiede eine große Rolle. Die Massebildung am Anfang wird nicht umsonst in amtlichen Prüfungen festgestellt und verglichen. Der Ölrettich AGRONOM hat die höchste vergebene Note in dieser Kategorie (8 = stark bis sehr stark), gefolgt von Sorten wie COMPASS oder DEFENDER. Bei Gelbsenf, der noch schneller dicht macht, sind die Sorten MASTER und SCOUT überlegen. Diese geprüften Sorteneigenschaften machen häufig den Unterschied, ob sich die Zwischenfrucht oder das Ausfallgetreide und der Weiße Gänsefuß durchsetzen.

Durchwurzelung

Der oberirdische Aufwuchs und die unterirdische Wurzelmasse bedingen sich direkt. Nur eine Zwischenfrucht, die gut wächst, hat auch einen entsprechenden Wurzelapparat. Wenn ein dicht gedrillter Ölrettich AGRONOM drei Wochen nach der Aussaat fünf große Laubblätter je Pflanze gebildet hat, ist der Hunger nach Nährstoffen groß, sodass der Boden schnell in der Breite und in Tiefen bis 150 cm erschlossen wird. Die intensive Durchwurzelung bringt einen starken Vorfruchtwert für die folgende Hauptkultur. Sparsamere Pflanzen wie Phacelia oder Rauhafer sind zwar bei Wassermangel im Vorteil, bringen dadurch aber weniger für die Bodenstruktur.

Verschiedene Wurzeltypen in einer Zwischenfruchtmischung können sich ergänzen. Erfahrungsgemäß passt die Büschelwurzel des Rauhafers PRATEX in der Kartoffelmischung viterra® INTENSIV sehr gut mit der Pfahlwurzel des Ölrettichs DEFENDER zusammen. Wenn darüber hinaus noch mehr Arten des gleichen Wurzeltyps hinzukommen, wird kaum noch weiterer Wurzelraum erschlossen. Mehrere Flachwurzler nebeneinander teilen sich den Wurzelraum eher, als dass sie neuen Raum erschließen können.

Organische Masse

Frohwüchsige Arten und Sorten mit schneller Anfangsentwicklung haben einen höheren Blattflächenindex. Daraus ergibt sich eine höhere Photosyntheseleistung, d. h. es wird mehr organische Masse gebildet. Ein Mitte August bestellter Ölrettichbestand bildet bei gutem Wachstum vier Tonnen Trockenmasse pro Hektar in der Gesamtpflanze, die anschließend Futter für den Boden sind. Aufgrund des weiteren C/N-Verhältnisses ist die Wurzelmasse wirksamer für die Humusbildung als der oberirdische Aufwuchs. Bei Gelbsenf und Phacelia macht die Wurzelmasse etwa 20 % der Gesamtpflanze aus, bei Ölrettich sind es 35-40 % und bei Weidelgräsern sogar über 40 %.

Nährstoffe

Verschiedene Zwischenfrüchte haben spezielle Strategien, um Nährstoff verfügbar zu machen: Phacelia mobilisiert organischen Phosphor, Buchweizen kann anorganischen Phosphor besser erreichen und Öllein mobilisiert Silizium.

Mykorrhizierende Arten wie Rauhafer erschließen durch die Pilzsymbiose eine größere Oberfläche, während die nicht-mykorrhizierenden Kreuzblütler stattdessen einen großen Feinwurzelanteil bilden. Je nach Nährstoffverfügbarkeit sind diese Strategien von Vorteil. Was aber unterm Strich zählt, um Nährstoffe zu binden, ist, dass die Zwischenfrucht gut wächst. Ergebnisse der Wasserschutzberatung zeigen, welche Mengen an Nährstoffen das Gemenge aus Ölrettich DEFENDER und Rauhafer PRATEX bindet und somit für die Folgefrüchte speichern kann.

Bodengesundheit

Die Reduzierung von Krankheitserregern und Schädlingen auf ökologische Weise ist die größte Stärke von Sorten mit geprüften Eigenschaften.

Sollen die Zwischenfrüchte die folgende Hauptfrucht im Krankheitsdruck entlasten und im Ertrag stützen, dann müssen gezielt Sorten mit geprüften Eigenschaften ausgewählt werden. Dabei müssen die Resistenzwirkungen dasselbe Ziel verfolgen und durch entsprechende Wachstumseigenschaften verstärkt werden.

Unpassende Bestandteile können das Anbauziel vernichten und ungewünschte Probleme verursachen. Zahlreiche Versuche bestätigen die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl der Mischungskomponenten.

Wie viele Komponenten braucht nun eine Zwischenfruchtmischung?

Vielfältige Mischungen mit exotischen Komponenten mögen den Betrachter erfreuen, sie verfehlen jedoch die Hauptaufgabe des Zwischenfruchtanbaus. Das primäre Ziel der Zwischenfrüchte bleibt eine gesunde und ertragreiche Hauptfrucht. So tragen Zwischenfrüchte zu einem nachhaltigen Ackerbau bei. Wenn jedoch Biodiversität das Hauptziel ist, muss überlegt werden, ob Blüh- und Randstreifen nicht das sinnvollere Instrument sind.

Fazit:

Die Anzahl der Arten in einer Zwischenfrucht ist nur eine Zahl. Sie sagt nichts über das Samenverhältnis oder die Qualität der Komponenten aus. Die richtige Antwort ist: Es kommt auf die Wertigkeit der Einzelkomponenten an.

Wichtig für eine Zwischenfruchtmischung ist:

  • Die Wahl der Zwischenfrucht muss für das Anbauziel und zum Standort passen, in Art und Sorte.
  • Es darf keine unpassende Komponente dabei sein.
  • Die Verwendung von Qualitätssaatgut minimiert das Risiko unerwünschter Arten und sichert den Feldaufgang.

Von: Michaela Schlathölter (P. H. PETERSEN SAATZUCHT LUNDSGAARD GmbH)
und Heiner Lass (SAATEN-UNION GmbH)