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Dezember 2019

Der Dezember war deutlich zu warm, viele trockene, sonnige Tage mit 6-10°C. Verantwortlich war dafür der Warmluftstrom aus südwestlichen und westlichen Richtungen. Wenig Regen, selten Frost und an nur einem Abend Mitte des Monats ein paar Schneeflocken.

Bienenwachs

Wachszellen sind die Bausteine eines Honigbienenstaates. Sie dienen als Honig- und Pollenlagerstätten und Aufzuchtkammern für den Nachwuchs.

Arbeiterinnen haben auf der Unterseite des Hinterleibes 8 Wachsdrüsen mit denen sie winzige, hauchdünne Wachsplättchen ausscheiden. Diese werden zu einem zur Verarbeitung geeigneten Wachsball zusammengeknetet.

Bienenwachs ist bei Raumtemperatur wunderbar formbar und macht das Bienenhaus wasserdicht. Bereiche, die nicht mit Feuchtigkeit in Berührung kommen sollten, wie die Honigzellen, werden mit einem Wachsdeckel versiegelt. Bienenwachs hat auch antibakterielle Eigenschaften, die Krankheiten im Stock reduzieren helfen. Die sechseckige Form der Waben bietet das größte Lagervolumen bei kleinstem Wachsverbrauch. Sechsecke sind außerdem sehr stabil und leisten hohen Widerstand gegen Kräfte von außen.

Von den Honigwaben inspiriert, haben Ingenieure neue Baumaterialien entwickelt, die extrem stabil sind und in Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen.

Wachsgewinnung und Kreislauf

Bei der Bienenhaltung fällt naturgemäß viel Wachs an: Wachsdeckel beim Honigschleudern, Überbau und Bruchstücke bei der Völkerdurchsicht und Waben von alten Rähmchen. Bienenwachs schmilzt bei 62-64 °C , bei über 85 °C verfärbt es sich und wird dunkel, das sollte vermieden werden. Ich schmelze mein Altwachs mit einem ausrangierten Dampfentsafter und lasse das ausfließende Wachs in eine Schüssel mit Wasser laufen. Das Wachs schwimmt, sammelt sich an der Oberfläche und kann nach dem Erkalten als Block entnommen werden. Grobe Bestandteile können vom Block abgekratzt werden. Dann wird das Ganze noch einmal erhitzt und durch einen Nylonstrumpf gefiltert.

Die so gewonnenen Wachsblöcke gebe ich im Imkerladen ab. Sie werden gewogen und ich bekomme Gutschriften dafür. Das Wachs wird weiter gereinigt und wieder als Mittelwände gegossen, die jeder Imker für die Rähmchen benötigt. 1 Kilo Mittelwände kosten zur Zeit 21,- €. Preistendenz eher steigend, das sind 15 Stück für mein Rähmchenmaß. Jeder Bienenkasten enthält elf Rähmchen, da kommt doch einiges übers Jahr zusammen. Umso wichtiger ist es, sie zurückzuführen.

Sind die Wachsplatten erheblich günstiger, könnten sie mit Paraffin oder anderem verunreinigt sein - nichts für gute Imker, denen das Bienenwohl am Herzen liegt.

Es entsteht nicht nur Honig in einem Jahr

Bienenwachskerzen

Gute Kerzen aus Bienenwachs brennen gerade und ohne zu tropfen. Sie duften herrlich und verbreiten ein schöneres Licht, als andere Wachskerzen. Für gedrehte Kerzen verwende ich Mittelwände, die mit einem Docht stramm aufgerollt werden. Für getauchte oder gegossene Kerzen und für Teelichter bestelle ich Bienenwachspastillen. Die Herstellung von Teelichtern und anderen Gießformen braucht schon etwas mehr Zeit. Das Bienenwachs muss geschmolzen werden und wird in Formen, mit einem Docht versehen, gegossen. Die Kerzen sollten möglichst langsam abkühlen, um Risse zu vermeiden. Noch mehr Zeit und vor allem Geduld brauchen getauchte Tafelkerzen. Der Docht wird immer wieder in das flüssige Bienenwachs getaucht, herausgenommen, abgekühlt und erneut getaucht, bis die gewünschte Dicke der Kerze erreicht ist.

Erkältungsbalsam

Aus Sonnenblumenöl, Bienenwachs, Lanolin, Pfefferminz- und Eukalyptusöl habe ich ein Erkältungsbalsam hergestellt. Diese Creme lässt sich wunderbar auftragen, duftet herrlich und befreit Nase und Bronchien hervorragend. Außerdem ist sie frei von fraglichen Mineralölen und anderen Zusätzen, die in den handelsüblichen Präparaten vorhanden sind.

Lippenbalsam

Aus Bienenwachs, Honig, Kakaobutter und Jojobaöl habe ich ein Lippenbalsam hergestellt. Da das Gemisch zu schnell abkühlte, hatte ich Schwierigkeiten, es in die kleinen Tiegel zu füllen. Es wirkt und schmeckt sehr gut, aber das Umfüllen muss noch besser klappen... Ich arbeite daran…


Varroa-Behandlung

Ende Dezember, wenn die Bienenvölker sicher brutfrei sind, wird mit Oxalsäure gegen die Varroa-Milbe behandelt. Die Oxalsäure wird als Pulver verkauft und mit warmen Wasser und Puderzucker zu einer 3,5 %igen Lösung angesetzt. Auf einer großen Spritze werden 50 ml für ein starkes Volk aufgezogen, bei Schwächeren weniger.

Die Lösung wird auf die in einer Wintertraube sitzenden Bienen zwischen die Wabengassen geträufelt. Gegenseitig wird das Zuckerwasser abgeschleckt, so im ganzen Volk verteilt und die aufsitzenden Varroa-Milben sterben ab. Die Bienen, die sonst eher träge im Bau verharren, kommen schnell in Wallung.

Jede Störung bedeutet Aufregung und Verteidigung des Volkes, ein Imkeranzug ist sehr empfehlenswert. So können meine Bienenvölker milbenfrei im kommenden Frühjahr durchstarten.

Frohes neues Jahr

Wieder ein Imkerjahr zu Ende,

wieder viele neue Ereignisse und kleine Abenteuer,

wieder viel dazu gelernt und einige neue Dinge ausprobiert,

wieder neue Begegnungen und interessante Gespräche,

wieder alte Imkerweisheiten mitgenommen und Zukunftsweisendes angenommen,

wieder hat sich vieles wiederholt und trotzdem ist kein Jahr wie das andere…

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