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Rauhafer - Baustein für eine neue Pflanzenschutzstrategie im Mais

QUELLE: LAND & Forst Nr. 15, 11. April 2019

Für eine nachhaltige Herbizidstrategie ist eine breite Herbizidpalette notwendig. Durch die Verschärfung der Zulassungskriterien fallen immer mehr Wirkstoffe weg, oder Anwendungsbeschränkungen begrenzen die Einsatzmöglichkeiten. Funde von Metaboliten in Wasserschutzgebieten verschärfen zusätzlich die Situation. Bei Überschreitung von Leitwerten können wirkstoffspezifische Anwendungsverbote ausgesprochen werden. Neben den Umweltparametern rückt auch die Resistenzgefährdung der Wirkstoffe in den Vordergrund. Minderwirkungen gegen Unkräuter und Schadhirsen treten immer stärker in den Focus. Lösungsansätze sind gefährdete Wirkstoffe in der Anwendung zu reduzieren, Aufwandmengen zu verringern und die Rotation von Wirkstoffen beachten. Ziel ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln so weit wie möglich zu minimieren - so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Hier kann der Rauhafer (Avena strigosa) Hilfestellung leisten. Er ist gekennzeichnet durch eine schnelle und blattreiche Jugendentwicklung mit ausgeprägter Unterdrückungsleistung gegen Unkräuter und Ungräser (Allelopathie). Durch den zügigen Aufbau von Biomasse wird zusätzlich die Wind- und Wassererosion reduziert. Die Aussaat des frostempfindlichen Rauhafers erfolgt mit der Getreidetechnik ab Mitte April vor der Maisaussaat. Aussaatstärken von 75 kg/ha haben bisher zu einer ausreichenden Bestandesdichte mit ca. 130 Pflanzen / m² geführt. Unter normalen Bedingungen läuft der Hafer bereits nach ca. 8 Tagen auf. So ist eine frühzeitige und flächige Begrünung der Fläche gegeben. Der Mais wird dann nach der Aussaat des Rauhafers gedrillt. Optimal wäre die Maisaussaat in bereits aufgelaufene Rauhaferbestände. Mit der Kombination beider Pflanzen kann so eine frühzeitige pflanzliche Bodenbedeckung erreicht werden. In mehreren Versuchen konnte die Funktionalität des Rauhafers aufgezeigt werden. Dabei kam die Sorte Pratex zur Aussaat. Vergleichende Auswertungen der „Nullparzellen“ belegen neben der Erosionsminderung auch die Unterdrückungsleistung gegenüber der Verunkrautung. Die schlagspezifische breite Mischverunkrautung konnte meist durch den Hafer mit über 95% Deckungsgrad unterdrückt werden. So zeigten sich sichere Unterdrückungsleistungen gegen Storchschnabel (Geranium), Windenknöterich, Nachtschatten, Kamille und den Schadhirsen. Die einzige Pflanze, die dem Rauhafer Paroli bieten kann, ist der Weiße Gänsefuß. Dieser sollte bei der Bekämpfungsstrategie immer berücksichtigt werden. Bei der Bekämpfung der Geranium-Arten kommt der chemische Pflanzenschutz an seine Leistungsgrenzen. Notwendige Mischungen aus den Bodenherbiziden kombiniert mit den Spezialisten Harmony bzw. MaisTer Power sind deshalb erforderlich. Da die Präparate nur kleine Geranium-Pflanzen erfassen, sind häufig zwei bis drei Behandlungen zur sicheren Bekämpfung nötig. Die typische Mais-Leitverunkrautung aus Knötericharten, Nachtschatten und Kamille werden sicher unterdrückt. Der wellenartige Auflauf der Schadhirsen und die artspezifische Herbizidstrategie stellen hohe Anforderungen an den Anwender. Die zunehmende Problematik der Resistenzbildung bei den Unkräutern und Schadhirsen rückt immer stärker in den Focus. Hier ist insbesondere die HRAC-Gruppe B betroffen. Als ALS-Hemmer unterliegen folgende Präparate wie z.B. Motivell, MaisTer Power sowie Peak und Harmony einer hohen Resistenzgefährdung.

Die „Feindpflanze“ Rauhafer bietet durch die biologische Unterdrückung von Unkräutern und Ungräser eine neue und vielfältige Möglichkeit der Unkrautregulierung in Mais an. Leider kann er nicht zwischen Kulturpflanze und Beikräutern unterscheiden. Die in der Jugendphase bekanntlich geringe Konkurrenzkraft des Maises ist somit bei der Bekämpfungsstrategie eine besondere Herausforderung. Die rechtzeitige Ausschaltung des Hafers bei gleichzeitiger optimal ausgeprägter Unterdrückungsleistung ist eine schmale Gradwanderung. Als Grundlage für die neue Herbizidstrategie, diente die Testung der Wirkstoffe gegen den Rauhafer. In mehrjährigen Versuchen zeigten die Bodenherbizide nur unterdurchschnittliche Bekämpfungserfolge. Im trockenem Sommer 2018 brachen die Wirkungsgrade sogar extrem ein. Lösungsansätze liegen also nicht bei den Bodenherbiziden - diese sollen ja auch vorrangig ersetzt werden. Deutlichere Ansätze zeigen sich bei den blattaktiven Präparaten. Die als Leistungsträger gegen Schadhirsen bekannten Triketone wie Callisto und Laudis versagen voll in der Wirkung. Dagegen können die gräserwirksamen Sulfonyle (z.B. Milagro 6 OD und MaisTer Power) mit sicheren Bekämpfungserfolgen überzeugen. Die Wirkstoffpalette wird durch Cycloxydim (Focus Ultra) in einer Cycloxydim-resistenten Maissorte (DUO-Sorten) bereichert. Ein zusätzlicher Baustein, um einer Resistenzgefährdung bzw. Anwendungsbeschränkungen der Sulfonyle aus dem Wege zu gehen. Diese Erkenntnisse dienen als Grundlage für eine neue, auf den Rauhafer abgestimmte Herbizidstrategie. Die terminlich gestaffelte Aussaat von Hafer und Mais ermöglichen unterschiedliche Bekämpfungsansätze. Bei der Maisaussaat in bereits aufgelaufenem Haferbestand kann eine Glyphosat-Anwendung eingeplant werden. Die Behandlung muss vor dem Maisauflauf erfolgen. Eine Nachbehandlung gegen Weißen Gänsefuß mit z.B. Arrat plus Dash muss eingeplant werden. Die frühe Ausschaltung des Hafers führte selbst in dem trocken Sommer 2018 zu keiner eindeutigen negativen Ertragsbeeinflussung. Bei den späteren Behandlungsterminen, kam es durch die zusätzliche Wasserkonkurrenz, fast zu Totalschäden. In weiteren Versuchen wurde das Einsparpotential an Herbiziden ausgelotet. Versuchstechnisch erfolgte die Aussaat von Mais und Hafer nur im Abstand weniger Tage. Die Herbizidanwendungen waren für eine Behandlungsfolge ausgelegt. Beginnend mit einer Herbizid-Standardvariante wurde in den Folgeparzellen der Anteil Bodenherbizide reduziert bzw. ganz darauf verzichtet. Als Leistungsträger gegen den Rauhafer gelangten die gräserwirksamen Sulfonyle bzw. Focus Ultra zur Anwendung. Der Versuch verdeutlicht die Möglichkeit des Verzichts auf Bodenherbizide. Die einseitige Anwendung der Sulfonyle könnte durch die Wirkstoffrotation mit Cycloxydim entspannt werden. Die Wirkstoffmenge konnte bei Ertragsgleichheit deutlich reduziert werden. In weiteren Versuchen wurde zusätzlich noch die mechanische Unkrautbekämpfung integriert. Als Vorlage zur Haferbekämpfung gelangten nur blattaktive Präparate zum Einsatz. Auf Zumischpartner gegen breitblättrige Unkräuter ist zu achten. Die Hackmaßnahme erfolgt dann bei 70 bis 80 cm Wuchshöhe des Maises. Der Erfolg ist von der Wirkung der Herbizidvorlage abhängig. Nur kleine Unkräuter werden sicher erfasst bzw. in der Maisreihe überhäufelt. Ein weiterer Ansatz zur Reduktionen von Pflanzenschutzmittel.

Viele Versuche belegen die Funktionalität des Rauhafers. Die Herbizidstrategie ist auf eine fristgerechte Abtötung des Hafers ausgelegt. Der zusätzliche Wasserverbrauch ist vor allem in trockenen Frühjahren eine besondere Herausforderung. Der kombinierte Anbau von Rauhafer und Mais ermöglicht Pflanzenschutzmittel lohnenswert einzusparen und bietet sich zusätzlich als Baustein für die „Neue Ackerbaustrategie“ an. Grasuntersaaten bzw. der Mischanbau von Mais und Bohnen lassen sich in diesem Anbausystem integrieren.

Bei weiteren Fragen zu den Pflanzenschutzversuchen und dem Nutzen von Rauhafer steht Ihnen Heinrich Romundt gerne zur Verfügung.

Kontakt:

Heinrich Romundt
Berater Pflanzenschutz
Telefon: 04761 9942-165
Telefax: 04761 9942-169
E-Mail: heinrich.romundt(at)lwk-niedersachsen.de

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